Wie ein Ehrenamt bei (beruflicher) Unzufriedenheit helfen kann

„Warum reagiert eigentlich niemand auf die Ungerechtigkeit meiner Führungskraft?“
„Wie kann mein Kollege nur so respektlos sein?“
„Wieso wird mein Engagement nicht wertgeschätzt?“
„Wieso akzeptieren hier eigentlich alle diese schlechte Kommunikation?“
„Warum sind meine Mitarbeiter so unzuverlässig?“

Solche Gedanken können uns im Berufsalltag begleiten – manchmal sogar bis nach Feierabend.

Und vielleicht kennen Sie auch die andere Seite:

„Eigentlich schätze ich meinen Arbeitgeber. Aber mir fehlt etwas – nur was?“
„Ich distanziere mich immer mehr von meinem Job und weiß gar nicht genau, warum.“
„Meine Arbeit fühlt sich sinnlos an. Irgendwie ist da eine Leere. Warum mache ich das überhaupt?“

Solche und ähnliche Gedanken können uns im Berufsalltag im Kopf herumschwirren – Tag und Nacht. Irgendwann lähmen diese wiederkehrenden Gedanken so sehr, dass das Grübeln am Tag in ein nächtliches Grübeln übergeht.

Hinter beruflicher Unzufriedenheit kann ein Wertekonflikt stecken.

Wenn die eigenen Werte nicht zum Arbeitsalltag passen

Unsere Werte geben uns Orientierung. Sie zeigen uns, was uns wichtig ist und woran wir unser Handeln ausrichten möchten.

Wenn beispielsweise Empathie, Menschlichkeit und Wertschätzung für uns einen hohen Stellenwert haben, wir im Arbeitsalltag aber vor allem an Kennzahlen, Leistung und Zielvorgaben gemessen werden, kann das auf Dauer zu Frustration und innerer Distanz führen.

Oder wir wünschen uns, mit unserer Arbeit etwas Sinnvolles zu bewirken. Im Berufsalltag dreht sich jedoch fast alles um Umsatz, Effizienz und Zielerreichung.

Dann kann sich irgendwann das Gefühl entwickeln:

„Das, was ich jeden Tag tue, passt nicht mehr zu dem, was mir eigentlich wichtig ist.“

Die Folge kann Unzufriedenheit sein. Vielleicht entsteht innere Leere, vielleicht Überforderung, Erschöpfung oder das Gefühl, nur noch zu funktionieren.

Dabei muss ein Wertekonflikt nicht automatisch bedeuten, dass man kündigen muss.

Und es bedeutet auch nicht, dass sich sofort das gesamte Berufsleben verändern muss.

Der erste Schritt kann viel kleiner sein: verstehen, was eigentlich los ist.

Welche Werte sind mir wirklich wichtig?
Wo erlebe ich im Arbeitsalltag einen Konflikt?
Was brauche ich, damit sich meine Arbeit wieder stimmiger anfühlt?
Und welche Möglichkeiten habe ich, etwas zu verändern?

Ein persönlicher Einblick

Nach viel Grübelei wurde mir selbst nach über 20 Jahren in der IT-Branche klar, dass ich einige meiner Werte im Berufsalltag nicht ausreichend ausleben konnte: Empathie, Menschlichkeit, Sinnhaftigkeit.

Nach viel Selbst-Analyse fand ich letztendlich einen Weg, der mir parallel zur Arbeit half: Ein Ehrenamt: Die Gründung und Leitung einer Selbsthilfegruppe.

Weg vom Wertekonflikt hin zur Werteharmonie.

Ich ließ mich von der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e. V. ausbilden als Kontaktperson, gründete eine Selbsthilfegruppe für Zöliakie-Betroffene, die ich nun mit viel Freude ehrenamtlich leite. Meine o.g. genannten Werte kann ich kombinieren mit meinen Interessen wie Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungsorganisation und Kommunikation.

Ja, es kostet teilweise viel (Frei-)Zeit, aber ich kann es so dosieren, dass es zu meinen Rahmenbedingungen passt. Und ja, ich hätte vorher nicht gedacht, dass ich die Zeit dafür finde, aber die Freude an Austausch, Solidarität und Netzwerken macht es möglich. Mich bestätigt dieses Ehrenamt in meinen Werten: Sinnhaftigkeit und Unterstützung von Gesellschaft und Gemeinschaft.


Portrait von Anne Witt, Systemischer Coach und Beraterin

„Mich bestätigt dieses Ehrenamt in meinen Werten: Sinnhaftigkeit und Unterstützung von Gesellschaft und Gemeinschaft.“

– Anne Witt, Ehrenamtliche Selbsthilfegruppenleiterin

Presseberichte zu meinem Ehrenamt

Anne Witt gründet eine Zöliakie-Selbsthilfegruppe im Kreis Düren | Aachener Zeitung

Zöliakie: Wie eine Selbsthilfegruppe Betroffenen im Kreis Düren hilft | Aachener Zeitung

Wie kann systemisches Coaching bei beruflicher Unzufriedenheit helfen?

Vielleicht ist die Lösung für Ihre berufliche Unzufriedenheit nicht unbedingt ein neuer Job.

Vielleicht braucht es zunächst einen genaueren Blick auf das, was hinter Ihrer Unzufriedenheit steckt.

Vielleicht geht es um Ihre Werte.
Vielleicht um unerfüllte Bedürfnisse.
Vielleicht um Grenzen.
Vielleicht um fehlende Gestaltungsmöglichkeiten.
Oder vielleicht tatsächlich um eine berufliche Veränderung.

Wichtig ist: Es gibt nicht die eine richtige Lösung.

Im systemischen Coaching schauen wir deshalb nicht nur auf das Problem, sondern auf das gesamte System, in dem Sie sich bewegen.

Gemeinsam können wir beispielsweise betrachten:

  1. Was genau macht Sie unzufrieden?
    Wir versuchen, diffuse Gefühle und Gedanken greifbarer zu machen.
  2. Welche Werte und Bedürfnisse stehen dahinter?
    Was ist Ihnen wirklich wichtig – und wo kommt es im Arbeitsalltag zu Spannungen?
  3. Wie sieht Ihr berufliches System aus?
    Welche Menschen, Strukturen, Erwartungen und Rahmenbedingungen beeinflussen Ihre Situation?
  4. Welche Möglichkeiten haben Sie?
    Was können Sie selbst verändern? Wo können Sie Einfluss nehmen? Und wo lohnt es sich, Grenzen zu setzen?
  5. Was könnte ein realistischer nächster Schritt sein?
    Nicht unbedingt die große Veränderung. Manchmal beginnt Veränderung mit einem kleinen, konkreten Schritt.

Vielleicht müssen Sie nicht sofort alles verändern.

Vielleicht müssen Sie zunächst nur herausfinden, was Ihnen fehlt.

Und manchmal entsteht genau daraus eine neue Perspektive auf die eigene berufliche Situation.

Zeit für Veränderung beginnt nicht immer mit einer Kündigung. Manchmal beginnt sie mit einer guten Frage.

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